Microctenopoma fasciolatum - Zuchtbericht

Microctenopoma fasciolatum - Zuchtbericht
Ein Bericht von Jochen Baumgarten



Im Folgenden möchte ich über die Entstehung meines Microctenopoma fasciolatum Nachwuchs berichten.


Für die Vermehrung wurde keinerlei extra Becken eingerichtet oder Wasserwerte gezielt verändert, die Tiere verblieben im als Gesellschaftsbecken eingerichteten, häuslichen Schaubecken. Dieses umfasste 200l (100x40x50cm), wurde durch einen HMF gefiltert und etwa zur Hälfte durch eine relativ starke Wasserbewegung mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Die Temperatur lag hierbei etwa bei 24°, der PH Wert bei ~7 und die Wasserwerte waren für Köln typisch im härteren Bereich angesiedelt. Die GH befand sich, lediglich von einigen wenigen Seemandelbaumblättern beeinflusst, bei ~15, die KH lag bei etwa 8-9. Das Aquarium war lediglich mit einer Glasscheibe abgedeckt und hatte rechts und links neben Dieser jeweils einen 4cm Spalt.



Das Gesellschaftsbecken und die Balz


Im Becken befanden sich neben den vier 6-10cm großen Microctenopoma fasciolatum (2/2) noch ein kleinerer Schwarm Paracheirodon Axelrodi sowie etliche Corydoras paleatus. Das Becken war stark bepflanzt, auf eine Zugabe von CO2 und sonstigen Zusätzen wurde jedoch verzichtet. Etwa gut die Hälfte der Wasseroberfläche war mit Schwimmpflanzen und Lotusblättern bedeckt (die Seite ohne Oberflächenströmung). Die Schwimmpflanzendecke bestand größtenteils aus Ceratopteris-Arten (vorwiegend cornuta), des Weiteren Pistia stratiotes, Lemna minor und Riccia fluitans.


Die Ernährung der Tiere bestand aus zwei Arten von Granulat und etwa einmal die Woche aus schwarzen und roten Mückenlarven, bei jeweils einmal täglicher Fütterung.



einige Jungfische im Netbreeder und wenige Tage alte Larven unter der Querstrebe


Das größere der Männchen begann im April zum Frühlingsanfang, für schaumnestbauende Labyrinther typisch, mit dem Bau des Nestes welches etwa einen Durchmesser von 8cm erreichte. Dieses wurde komplett unter der Pflanzendecke, inmitten einer Echinodorus bleheri errichtet und war von oben kaum als solches zu erkennen. Das Männchen beanspruchte von diesem Zeitpunkt an etwa 1/3 des Beckens für sich, wobei die Corydoras paleatus hierbei nicht weiter beachtet wurden, alle Artgenossen und Neonsalmer jedoch vehement vertrieben. Die Tiere waren ursprünglich bei mir in keiner Weise revierbildend und stellten auch sonst nicht dem gleichen Geschlecht übermäßig nach. Das nestbauende Männchen begann zu diesem Zeitpunkt das Werben durch Aufstellen der Flossen vor den beiden anderen Weibchen, welche teilweise die Handlung erwiderten. Welches Weibchen schlussendlich beteiligt war konnte ich nicht feststellen, ich nehme an dass an den mehrfachen Paarungen letztendlich beide Weibchen beteiligt waren.


Das Schaumnest wurde über 2-3 Wochen stetig erneuert oder neu aufgebaut und es kam zu mehreren Paarungen, welche ich jedoch leider nicht beobachtet habe. In dieser Zeit war bei den Weibchen ein deutlicher Laichansatz zu sehen.



Jungfisch > 1 Woche alt - Jungfischkleid ist gut zum Verstecken


Innerhalb weniger Tage konnte man schwarze Punkte im Becken erkennen, welche unmittelbar unter der Wasseroberfläche verharrten. Zählen konnte man Sie aufgrund des zugekrauteten Beckens nicht wirklich, es waren jedoch subjektiv sehr viel weniger als z.B. bei einem Trichogaster trichopterus Wurf. Der Bock bewachte zu dieser Zeit immer noch das Drittel des Beckens, wo die meisten der Jungen zu sehen waren.


Zu Beginn wurden die Tiere lediglich mit Staubfutter und Nobilfluid mehr oder weniger präventiv versorgt. Zu diesem Zeitpunkt versuchte ich möglichst viele Tiere in einem Netbreeder im Becken zu konzentrieren um sie so zu schützen. Dies erwies sich jedoch als nicht optimale Lösung, zumindest wuchsen sie außerhalb des Netbreeders mindestens genausogut. Sobald sie begannen sichtbar nach Futter zu suchen wurden die, die ich fangen konnte, in ein Aufwuchsbecken separiert, um sie gezielter füttern und beobachten zu können. Dieses war wie auch der Netbreeder mit reichlich Moos und somit auch mit Infusorien in allen passenden Größen bestückt. Nachdem sie dort die kritische Größe - als Futter für die Paracheirodon axelrodi zu enden - überschritten hatten wurden sie in das Gesellschaftsbecken zurückgesetzt und verblieben dort. Das Wachstum ist eher langsam, mit zunehmendem Alter konnte man jedoch erhebliche Größenunterschiede feststellen, wodurch ich wie gesagt auf mehrere Paarungen tippe.



Jungfisch in Normalfärbung und in "Imponierfärbung"


Die Größe der gut 7 Monate alten Tiere liegt, bis auf 2 Nachzügler, jetzt bei 4-5cm. Inzwischen lassen sich langsam die Geschlechter bestimmen. Insgesamt haben es bis dato 14 Tiere geschafft.


Die Balzzeit der Tiere scheint tatsächlich stark meteorologisch bedingt sein, da die Elterntiere nun (nach einer Pause seit April) zu Beginn der kalten Winterzeit seit ~1 Woche wieder mit dem Nestbau und der Balz beschäftigt sind. Erste kleine Striche sind auch schon zu sehen...

"Die Franzosen neigen dazu sehr dünne Steaks zu grillieren, die kaum 200g wiegen. Für mich ist das Aufschnitt" - Otto von Bismarck, 1898