Cherax sp. "Blue Moon"

Cherax sp. "Blue Moon"
Ein Bericht von Henry Wollentin


Die Vorgeschichte


Es war irgendwann im Sommer 2006, als meine Frau Bianca mir plötzlich gestand, dass sie bei unserer aquaristischen Zucht nicht mehr nur der Helfer sein möchte, sondern auch selbst züchten will. Angefangen hatte sie damit ja bereits 2005 mit ihren Heros sp. „Rotkeil“, aber nun wollte sie richtig Ernst machen. Aber der große Schock kam erst noch, denn sie sprach nicht von Fischen, sondern von Wirbellosen, also von Krebsen und Garnelen. Einen ähnlichen Schock hatte ich ja schon mal hinter mir, als sie im Mai 2004 inmitten unseres Malawi-Haushalts ein Südamerika-Aquarium aufstellte, aber nun wollte sie „Salatbeilagen“ züchten. Darüber musste ich erstmal schlafen. Mein nächster Satz war dann: „Ich kann dir aber kaum Becken abgeben, die sind schließlich fast alle mit Cichliden voll“. Prompt kam die Antwort, dass das überhaupt nicht schlimm sei, denn sie wolle sich ein eigenes Zuchtregal aufbauen. Die Schweißperlen auf meiner Stirn wurden langsam größer. Ich fragte natürlich sofort, wo das denn hin solle, denn im Zuchtkeller sei kein Platz mehr. Die Antwort, das käme in den Waschkeller, war dann der K.O.-Schlag für mich. Aber man(n) versucht ja immer, seiner lieben Frau alle Wünsche zu erfüllen, soweit das finanziell möglich ist, also stimmte ich zu. Aus dem Waschkeller flog daraufhin ein Wäscheständer raus und ein Regal musste umgesetzt werden, und schon war Platz für die Zuchtanlage. Ein passendes Schwerlastregal war bald gefunden und die grobe Planung der Zuchtgruppen war auch kein Problem. Einige 12-Liter-Aquarien standen auch noch leer im Keller rum, die dann, ihrer 8, in die oberen beiden Etagen des Regals einzogen. Diese Becken sollten als Haltungs- und Aufzuchtbecken für die Zwerggarnelen und evtl. für Zwergflusskrebse dienen. Für die dritte Etage, also für die dauernde Haltung der Zwergflusskrebs-Zuchttiere, ließen wir uns zwei Becken mit den Maßen 44 x 40 x 20 anfertigen. Die untere Etage sollte ein Becken mit den Maßen 80 x 44 x 30 bekommen, für ein Pärchen größerer Krebse. Welche das werden sollten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genau. Wir schwankten immer zwischen Cherax-Arten, Procambarus alleni, Procambarus clarkii oder sogar Cambarus rusticiformis. Bei letzterem wäre aber eine Kälteperiode zur Einleitung der Fortpflanzung erforderlich, die ich im warmen Waschkeller nicht bieten kann. Aber es war ja auch noch Zeit, denn das Becken sollte erst im Dezember 2006 aufgestellt werden, man muss ja auch manchmal auf seine Brieftasche Rücksicht nehmen.


Am 30. September 2006 entschlossen wir uns dann, eine spontane Tagestour zur Aquaristik-Messe nach Duisburg zu unternehmen, um dort einige Freunde zu treffen und zu überraschen, so z. B. die Teams des Aquarium-Stammtischs, von http://www.Scalare-online.de und von http://www.Aquanet.de . Als ich grad den 3. Anlauf nahm, einen Messerundgang zu machen, zerrte mich Bianca am Ärmel zu einem Stand von http://www.Aqua-Haus.deund zeigte mir die wunderschönen und auch schon sehr großen Tiere von Cherax sp. „Blue Moon“ und machte diesen bittenden Blick. Na ja, schön und gut, aber das Aquarium dafür war noch nicht da. Also fragte ich natürlich provokativ, wo sie denn damit hin wolle. Die setze ich erstmal mit in das Aufzuchtbecken meiner Heros (100 x 40 x 40). Nun wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon dass Cherax keine Fische fangen und stimmte zu, da auch der Preis mehr als angemessen war. Auch die Beratung durch den Mitarbeiter des Ausstellers war trotz des großen Andrangs am Stand, vorbildlich. So nahmen wir also ein Pärchen Cherax mit nach Magdeburg.



Das Männchen


Angekommen zu Hause war natürlich das Licht im Zuchtkeller schon aus. Das Einschalten quittierten die Heros mit Panik. Nun wollte ich aber noch die Anubias aus dem Becken raus haben, denn diese stehen in dem Verdacht, für Krebse schädliche Stoffe abzusondern, und einen Wasserwechsel wollte ich deshalb auch noch machen. Gesagt – getan. Nach ca. 20 min konnten die Krebse dann einziehen. Die Heros lagen mittlerweile dicht zusammen gedrängt in den Aquarienecken, teilweise flach auf dem Boden, wie sie es immer machen, wenn sie Angst haben. Die Krebse kamen rein und rannten schnurstracks auf die Barsche zu. Mein Blutdruck stieg in diesen Sekunden um einige Punkte an. Ich sah im Geiste schon den ersten Heros in den gewaltigen Scheren des Männchens sterben. Aber weit gefehlt. Die Krebse wollten nur die neue Umgebung erkunden und latschten dabei über die liegenden Fische drüber. Wir schalteten daraufhin das Licht wieder aus, damit alle wieder zur Ruhe kommen konnten.


Am nächsten Morgen ging dann der erste Gang in den Keller. Die Krebse waren nun richtig in ihr vorübergehendes Zuhause eingezogen. Jeder hatte sich einen der im Becken stehenden Tonblumentöpfe zur Heimstatt erkoren, aber wie es im Leben so ist, hatte natürlich das kleine Weibchen den großen Topf für sich in Besitz genommen und dem großen Männchen blieb nur noch der kleinere Topf.



Das Weibchen unter einem Laubblatt


In den nächsten Tagen wurde dann, anders als geplant, das Becken bestellt und wurde nach der Lieferung auch sofort aufgestellt. Außerdem suchten wir in diesen Tagen nach Veröffentlichungen über die Haltung und Zucht dieser Art, leider mit nur sehr geringem Erfolg. Wir konnten nur sehr wage Aussagen über die Herkunft der Tiere finden und in den Publikationen von Chris Lukhaup stand nur drin, dass die Nachzucht noch nicht gelungen war. Allerdings waren diese Publikationen schon gut ein Jahr alt, und der nette Verkäufer hatte uns erzählt, er hätte diese Art selbst schon nachgezogen. Auch von einigen wenigen Anderen hörte ich das in der Folgezeit. Da aber über die Nachzuchten nichts publiziert worden ist, zumindest haben wir nichts gefunden, standen wir mit unseren Krebsen jeden Tag wie der berühmte Ochse vor dem neuen Tor. Damit andere Aquarianer, die diese Krebse halten und züchten möchten, nicht ebenso dastehen, habe ich mich entschlossen, meine Beobachtungen aufzuschreiben und der großen Gemeinschaft der Aquarianer zur Verfügung zu stellen, denn mittlerweile möchte ich behaupten, dass ich noch krebsverrückter geworden bin als Bianca. Vielleicht erklärt sich ja der eine oder andere Fachverlag bereit, mir dabei behilflich zu sein.


Die ersten Tage
In den ersten paar Tagen nach dem Erwerb der Tiere passierte kaum etwas, sie saßen in ihren Töpfen, und wenn ich sie mal sehen wollte, dann musste ich im Dunkeln mit der Taschenlampe schauen. Dies änderte sich aber bald. Das Weibchen begann zunehmend unruhiger zu werden und erschien auch am Tages des Öfteren außerhalb ihres Topfes. Sie rannte unruhig im Becken rum und versuchte an allen möglichen Stellen zu graben, unter Steinen und Steinplatten und sogar unter der Schaumstoffpatrone des nach dem Luftheberprinzip betriebenen Innenfilters. Die Idee, sich unter dem Filter einzunisten, fand ich nicht so gut, denn beim Reinigen der Patrone hätte ich sie immer stören müssen. Außerdem hatte und habe ich immer noch gehörigen Respekt vor den Scheren. Selbst heute, fast 3 Monate nach dem Kauf der Tiere, traue ich mich immer noch nicht, sie mit der Hand anzufassen. Um ihr die Sache mit dem Filter auszureden, verbarrikadierte ich ihn mit Steinen. Dafür buddelte sie dann unter den anderen im Becken befindlichen Steinen weiter, die nun ja nicht krebstauglich verlegt waren. Also musste ich einen Teil der Steine entfernen, da ihr diese sonst beim Weitergraben auf den Kopf gefallen wären. Das Graben sah auch erstaunlich planvoll aus. Sie grub immer ein Stückchen, drehte sich dann um, rollte ihren Schwanz (Pleon) ein und schob ihn wieder und wieder testweise in die neue Höhle. Dies versuchte sie an verschiedenen Stellen des Beckens. Das Männchen war von diesen Aktionen aber völlig unbeeindruckt. Dann kam eine weitere Verhaltensänderung dazu: immer wieder stellte das Weibchen ihren Schwanz senkrecht nach unten und kratzte mit den hinteren Schreitbeinen über die Schwimmbeine oder manchmal auch über die Oberseite des Schwanzes.



Auf diesem Foto kann man erkennen, wie das Weibchen
den Schwanz nach unten neigt und die Schwimmbeine putzt


Gleichzeitig erkannte ich auch noch eine Reihe winziger brauner Punkte an der unteren Kante ihres Brustpanzers. Ich wusste nicht genau, wie ich dieses Verhalten einordnen sollte, also versuchte ich im Buch von Chris Lukhaup „Süßwasserkrebse der Welt“ eine Erklärung dafür zu finden. Aber wie oben schon erwähnt, gibt es kaum Schriftmaterial zu dieser Art. Beim lesen der Kapitel stieß ich dann auf die Symptome der Krebspest. Zunehmende Tagaktivität, ständiges Kratzen über den Körper und die Augen, watteartige Beläge an den weichen Panzerstellen, später Lähmungen und dann der Tod. Tagaktivität und kratzen hatten wir bereits. Nun suchte ich die weichen Panzerstellen nach der Watte ab, fand aber keine. Das Kratzen beschränkte ich auch nur auf das Hinterteil. Trotzdem wurde ich nicht ruhiger. Ich wartete immer darauf, dass sie auch die anderen Symptome zeigt. Der aufmerksame unserer Seiten weiß ja, dass wir auch nordamerikanische Krebse halten, zwar streng getrennt, aber man weiß ja nie. Vielleicht hatten wir durch einen Anfängerfehler unsere neuen Tiere infiziert.


Am nächsten Tag wurde alles noch schlimmer. Sie hatte die Steine um den Filter herum völlig ignoriert und sich unter der Patrone eine Höhle gegraben, in der sie nun saß oder lag, und zwar auf der Seite oder auf dem Rücken. Nun war der Gipfel meiner Panik erreicht und ich nervte 2 Tage lang die Freunde von www.crustawelt.de mit meinen Fragen. Dank der aufopferungsvollen Hilfe der beiden dortigen Administratorinnen spekulierten wir, dass sie vielleicht eine Häutung vorbereite, oder das Verhalten erinnere an die Vorbereitung einer Paarung oder des Ablaichens. Laut Chris Lukhaup können Cherax die Samenpakete der Männchen längere Zeit mit sich rumtragen und erst dann ablaichen, wenn der Zeitpunkt günstig ist. Außerdem sagte man mir, dass man das Verhalten – hinlegen in der Höhle – von den Cherax sp. „Zebra“ her kenne. Na ja, zumindest war ich etwas beruhigt. In den nächsten Tagen blieb das Weibchen fast nur in der Höhle unter dem Filter liegen und ich schaute immer wieder mit der Taschenlampe, ob es ihr noch gut ging. Anhand der Tatsache, dass sie den Höhleneingang zunehmend mit Hasellaub zustopfte, konnte ich wenigstens erkennen, dass sie nicht inaktiv war. Außerdem stellte ich fest, dass das Kratzen aufgehört hatte und der Schwanz eingerollt und völlig verschlossen war. Nach ein oder zwei Tagen, ich glaube es war der 12. oder 13. Oktober 2006, lag sie in der Höhle in einer Position, in der ich ihr direkt auf den halbtranparenten Schwanzfächer leuchten konnte, sah ich durch diesen gelben oder vielleicht auch orangen Laich leuchten. Aha, das war es also! Keine Krankheit, sondern Ablaichverhalten. Einen Paarungsakt konnte ich leider nicht beobachten, aber ich denke, er wird nicht wesentlich anders abgelaufen sein, wie es für alle krebse in der Literatur beschrieben wird. Ich weiß nun nur nicht, ob mein Männchen auch der Vater ist oder ab die Paarung bereits mit einem anderen Männchen stattgefunden hatte.


Nun wussten wir endlich, dass es nicht die Krebspest war, sondern das Kratzen eine Art Putzen der Schwimmbeine darstellte, so wie es Chris Lukhaup auch für andere Arten beschreibt. Was allerdings diese braunen Punkte waren, habe ich nie rausgekriegt. Sie haben sich im laufe der Zeit nicht geändert und werden vielleicht bei der nächsten Häutung verschwunden sein.


Das endgültige Cherax-Aquarium war nun auch eingelaufen, aber ich traute mich nun nicht mehr, das Weibchen umzusetzen, also zog das Männchen erstmal allein um.


3. Die lange Wartezeit
Nun begann die Zeit des Wartens. Laut Chris Lukhaup beträgt die durchschnittliche Tragzeit von Cherax-Arten 6 – 8 Wochen. Das ist eine sehr lange Zeit für einen Malawi-Züchter, der ja nur 3 Wochen Tragzeit gewöhnt ist. In dieser Zeit überlegte ich mir, dass wir ja wohl die erste Brut, falls es gelänge, nicht inmitten der Heros groß ziehen können. Also wollte ich das Becken mittels einer Filtermatte teilen. Eine solche wurde besorgt, außerdem noch eine kleine Kreiselpumpe und ich ging an die Arbeit. Da ich nicht den ganzen Kies mit seinem darin versunkenen Mulm wegschippen wollte, schnitt ich die Matte nur so zurecht, dass sie nur 2 cm tief im Kies steckt. Die genaue Position der Matte wurde festgelegt, so dass die Krebse ein gutes Drittel des Beckens zur Verfügung haben, die Heros etwa 2 Drittel. Als ich die Matte einsetzen wollte, bemerkte ich, dass das Laub vor der Krebshöhle unter dem Filter weg war und Madame im Blumentopf in der anderen Beckenhälfte saß. Na gut, wenn sie es so will, dann eben andersrum. Das Einbringen der Matte und der Anschluss der Pumpe verliefen problemlos und die Wasserbewegung in der Krebshälfte war zufrieden stellend. Ich glaube, es war ein oder zwei Tage später, da saß sie wieder unter dem Filter. Na klar, ich hatte die Matte mit dem meinem Fischverstand zugeschnitten, aber der passt nicht zur Krebshaltung. Das Weibchen hatte sich kurzerhand unter der Matte durchgebuddelt und wieder ihre alte Höhle bezogen. Damit war ich dann nun doch nicht einverstanden und setzte sie wieder dahin, wo sie hingehörte. Den Tunnel unter der Matte schüttete ich zu und blockierte den Weg unter der Matte mit Steinen. Später habe ich diese dann durch einen Glasstreifen ersetzt.



Das geteilte Becken

Die nächsten Wochen über passierte nun rein gar nichts. Sie saß in ihrem Topf, verstopfte immer wieder den Eingang mit Laub und ab und zu kam sie im Dunkeln auch mal raus. Wovon sie in dieser Zeit gelebt hat, ist mir ein Rätsel, denn das angebotene Futter wurde kaum angeguckt. Ich vermute, dass sie das ein oder andere Haselblatt gefressen hat. Nach Ablauf von 6 Wochen wurden wir so langsam unruhig, aber es geschah nichts. Auch nach 8 Wochen war immer noch alles beim Alten.



Unter dem Laub ist der Topf des Weibchens Hier sieht man das Weibchen in seiner Höhle


Die letzten Tage
Nun ging auch die 9. Woche so langsam ins Land und unsere Geduld ließ schon gewaltig zu wünschen übrig. Gegen Ende der 9. Woche, also am 20. Dezember 2006, veränderte ich etwas. Der Eingang des Topfes war plötzlich nicht mehr zugestopft, sondern lag völlig offen vor mir und das Weibchen erschien auch am Tage öfter mal draußen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich müsse nun mal die Strömung etwas reduzieren, damit die Jungen, falls es nun endlich soweit sein sollte, nicht gleich weggeblasen werden. Ob dies nun den Lauf der Dinge beeinflusste, kann ich nicht sagen. Abends kletterte das Weibchen an der Filtermatte hoch und fummelte mit den Scheren oberhalb der Wasseroberfläche rum. Was sie damit bezweckte, weiß ich nicht. Die Deckscheibe hatte ich zumindest schon Wochen vorher mit einem großen Stein beschwert, damit sie nicht ausbrechen kann, denn von manchen Krebsen hat man schon gehört, dass sie auch Deckscheiben anheben. Als sie bei ihrer Klettertour einmal auf die Frontscheibe abbiegen wollte, hielt sie mir ihren Bauch direkt vor die Nase und ich konnte in aller Eile ca. 25 Jungtiere zählen.


Am nächsten Tag, dem 21. Dezember, schaute ich abends im Dunkeln wie sooft noch mal mit der Taschenlampe, als plötzlich ein Mini-Krebschen durch den Lichtkegel der Lampe schwamm. Die Tragzeit hatte damit exakt 9 Wochen gedauert. Ich folgte ihm mit dem Lichtstrahl, und als er sich auf den Kies niederließ, bemerkte ich dass Krebs und Kies dieselbe Farbe hatten. Na toll, dachte ich, das gibt ja immer wieder ein Gesuche. Aber mir fiel noch was auf: der kleine Krebs war genauso groß wie die Lücken zwischen den Kiessteinchen. Man bedenke, das Becken war ja dafür nicht gedacht und der Kies ist naturfarbener Perlkies von 4 – 6 mm Körnung. Und kaum hatte ich es gedacht, da schob sich der Kleine auch schon rückwärts in den Kies hinein, genauso wie es seine Eltern mit ihren Höhlen tun. Ach herrje, wenn das mal gut geht, war mein Gedanke. Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass er da, wo er allein reinkommt, auch wieder allein rauskommen müsse.


Am Morgen des 22. Dezember schaute ich vor der Arbeit im Dunkeln natürlich noch zu den Krebsen, und gleich hatte ich den nächsten Schreck. Das Weibchen hatte sich unter der Filtermatte eine tiefe Höhle gegraben und nur noch die Fühler schauten aus dem winzigen Eingang. Da sie aber nie lange mit einer Höhle zufrieden zu sein scheint, buddelte sie immerzu weiter und verlegte die Höhle öfter an eine andere Stelle unter Matte. Wie viele Jungtiere sie dabei im Kies verschüttete, kann ich nicht sagen. Ich sah lediglich 2 Jungtiere etwa 2 cm tief im Kies direkt an der Frontscheibe, wo auch schon wieder ein Kieshaufen hingeschoben war. Diese Jungtiere machten aber auf mich nicht den Eindruck, dass sie mit dieser Situation Probleme hätten, sondern wanderten im Kies wie in einem Labyrinth hin und her. Ich wollte das Weibchen dann eigentlich raus nehmen, damit die Buddelei aufhört, aber sie hatte zu diesem Zeitpunkt immer noch Jungtiere an sich haften. Also wieder warten. Ich war von der Annahme ausgegangen, dass sie alle Jungtiere mit einem mal abschüttelt, dies ist aber wohl nicht so. Erst am Vormittag des 23. Dezember konnte ich sehen, dass sie kein Jungtier mehr an sich trug, und nach einem gleichzeitigen Wasserwechsel in ihrem Becken und in dem richtigen Krebsbecken, habe ich sie dann zu ihrem Männchen umziehen lassen.


Die Jungtiere sind ca. 10 mm groß und hellbraun, also kaum zu sehen. Ab und zu habe ich das ein oder andere Jungtier im Kies oder in der zurück gelassenen Höhle unter der Filtermatte gesehen. Wie viele aber noch gelebt haben und wie viele die Mutter verschüttet hat, konnte ich nicht sagen. Nun würden viele Wochen des täglichen Suchens folgen. Genügend Futter haben die Jungen, durch Mulm, Detritus und Laub, so dass theoretisch einer Aufzucht nichts im Wege stehen dürfte. Erst in einigen Wochen wird sich wohl herausstellen, ob der grobe Kies den Jungen eher genützt oder geschadet hat. Von gelungener Aufzucht möchte ich auch erst dann reden, wenn die Tiere mindestens Verkaufsgröße erreicht haben. Jetzt kann ich zumindest fast keine Jungen sehen. Einen, der gerade auf dem Weg in die Höhle unter der Matte war, habe ich versucht zu fotografieren. Das Ergebnis sehen Sie hier:




Ich hoffe, dass ich anderen Aquarienfreunden, die sich an der Pflege und Zucht dieser wunderschönen Tiere versuchen wollen, mit diesem Bericht ein wenig Hilfestellung leisten konnte.


Magdeburg, den 23. 12.2006


Am 11.01.2007 wurde dieser Bericht im AQUANET veröffentlicht.
Herzlichen Dank an Herrn Lutz Döring und sein Team !!!



06.02.2007
Nach dem Umzug zu ihrem Männchen hat das Weibchen einige Tage gebraucht, um sich für einen richtig guten Platz in der neuen Umgebung zu entscheiden. Nachdem sie alle möglichen Höhlen ausprobiert hat, ist sie letztendlich in die Höhle des Männchens gezogen, wo nun beide in trauter Zweisamkeit die Tag über sich ergehen lassen. Einige Tage nach dem Umsetzen hat sich das Weibchen gehäutet. Die Exuvie wurde von Männchen in die Höhle geschleppt und innerhalb des nächsten Tages von ihm verspeist.


Die Jungtiere wachsen sehr unterschiedlich. Die, die man ab und zu mal sehen kann, verzeichnen Wachstumsunterschiede von mehr als 50 %. Bianca ist es neulich auch mal gelungen, 10 Tiere auf einmal zu Gesicht zu bekommen. Die meiste Zeit über sieht man aber nur die Laubdecke, die einen Großteil des Bodengrunds verdeckt. Manchmal bewegt sich ein Blatt, was vermuten lässt, dass sich ein kleiner Krebs darunter befindet. Es ist aber gut möglich, dass es auch eine Turmdeckelschnecke ist, die an der Oberfläche des Grunds auftaucht.


Die kleinen Krebse fressen in der Regel Detritus und Laub, aber auch pflanzliches Flockenfutter und möglicherweise auch Granulat, das ich öfter hineinstreue, wobei ich bei Letzterem nicht genau sagen kann, ob es nicht von den Schnecken vertilgt wird. Kleine Stückchen rohen Lachs scheinen sie auch zu fressen, da von den wenigen in das Becken gegebenen Stücken nach kurzer Zeit eins in der Höhle unter Matte lag und am nächsten Tag alle Stücke weg waren.


Hier sehen Sie ein Foto des größten bisher gesichteten Jungtiers (ca. 2,5 cm mit ausgestreckten Scheren), einen Monat nach dem Entlassen von der Mutter:




14.02.2007
Die Wachtumsunterschiede der Jungtiere ist mittlerweile enorm. Es gibt Tiere, die bereits 3,5 cm groß sind, und andere, die es bisher nur auf 2 cm geschafft haben. Dies bedeutet einen Größenunterschied von ca. 75 %. Ob dies ein geschlechtsbedingter Wachstumsunterschied ist oder nicht, bleibt abzuwarten. Nach Aussage von Lutz Döring habe dies nach seinen Erfahrungen mit der Aufzucht von Krebsen nichts mit den Geschlechtern zu tun.


Bianca ist es auch gelungen, ein Jungtier bei der Häutung zu beobachten. Leider war die Kamera in diesem Moment nicht so schnell zur Hand, so dass es nur noch für ein Foto von der Exuvie gereicht hat. Bei genauem Hinsehen haben wir nun aber auch schon mehrere Exuvien entdecken können. Außerdem sieht man nun auch öfter mal ein Jungtier im Freien rumkrabbeln und die Laubdecke bewegt sich ständig an irgendeiner Stelle. Bianca ist es vor ein paar Tagen gelungen, 12 Jungtiere zu zählen.


Zu fressen scheinen die Tiere alles, was ihnen zwischen die Scheren kommt, von Mulm und Detritus über Laub, Granulat- und Flockenfutter sowie Fischfleisch.


Leider habe ich heute aber auch ein totes Krebschen entdecken müssen. Es war eins von den kleinen. Mir ist zwar bewusst, dass man immer mit 10 - 20 % Ausfällen wegen Häutungsproblemen rechnen muss und man somit nie alle Jungtiere groß ziehen kann, aber das Herz blutet trotzdem.


Hier nun die aktuellsten Fotos:


blue_juv3.jpg
Exuvie des Jungtiers kurz nach der Häutung Eins der kleineren Jungtiere von ca. 2 cm



Jungtier unter der Filtermatte mit 3,5 cm und Jungtier im Vergleich mit einer Turmdeckelschnecke


05.04.2007
Nachdem nun wieder einige Wochen ins Land gegangen sind, denke ich, dass es an der Zeit ist, mal wieder einige Sätze zu schreiben.


In den vergangenen Wochen haben sich einige Veränderungen ergeben. In der letzten Februarwoche konnten wir beobachten, dass das Weibchen, das zu diesem Zeitpunkt immer noch friedlich mit dem Männchen gemeinsam die Höhle bewohnte, wieder damit begonnen hatte, die Unterseite ihres Pleons und damit die Schwimmbeine zu putzen. Für uns ein deutliches Zeichen dafür, dass sie wieder Vorbereitungen trifft, abzulaichen. Die beim ersten Mal beobachtete starke Tagaktivität blieb aber aus oder fand vielleicht zu einem zeitpunkt statt, zu dem wir nicht in der Nähe des Beckens waren. Das Weibchen machte dieses Mal auch keine anstalten, sich wie beim ersten Mal vom Männchen abzusondern. Vielmehr schien sie sich dieses Mal in den Schutz des Männchens begeben zu haben, denn jedesmal, wenn einer von uns an das Becken herantrat, kam das Männchen in einer drohenden Haltung aus seiner Höhle auf uns zu. Es machte den Eindruck, als würde das Männchen die Höhle mit dem Weibchen verteidigen wollen. Möglicherweise bedeutete dieses Verhalten auch eine normale Revierverteidigung, so meinte z. B. Lutz Döring in einem Gespräch über dieses Thema, allerdings können wir dieses Verhalten vor den Laichvorbereitungen und auch danach nicht beobachten. Es bleibt also wissenschaftlichen Studien vorbehalten, dieses Verhalten aufzuklären.


Einige Tage danach konnten wir sehen, dass das Weibchen ihr Pleon wieder vollständig eingeklappt hat, so dass man keinen Blick darunter werfen kann. Für uns ein Zeichen, dass sie wieder Laich trägt. Da sie seitdem immer noch in der Höhle des Männchens sitzt und keinerlei anzeichen darauf hindeuten, dass sie sich zurückziehen will, haben wir darauf verzichtet, das Männchen dem Hinweis des Verkäufers aus Duisburg gemäß zu entfernen. Es macht den Eindruck, dass das Weibchen eher die Nähe des Männchen sucht, da sie meist an einer linken Seite sitzt, den Kopf dem Männchen zugewandt und die Scheren aufgestützt. Auch das konsequente Verbarrikadieren der Höhle mit Laub fehlt diesesmal. Es wird zwar immer wieder etwas Laub in die Höhle gezogen, jedoch nicht so stark wie bei der ersten Brut.


Wir haben uns nun entschlossen, das Weibchen bis zum Ende der Brutzeit, die wir so etwa auf den 6. Mai veranschlagen, beim Männchen zu belassen und auch die Jungtiere nicht herauszufangen.


Das Becken des Pärchens in seiner aktuellen Form.


Hier kann man das Männchen in seiner Höhle sehen. Das Weibchen ist links hinter dem hellen Stein verborgen.



Das Männchen in seiner Höhle von der anderen Seite aus gesehen und beim Drohen


Neben diesen Beobachtungen mussten wir auch feststellen, dass sich in dem Becken mit den Jungtieren etwas getan hatte. Wir staunten ungefähr zur selben Zeit Ende Februar nicht schlecht, als wir plötzlich bemerkten, dass sich zwei Jungtiere auf die andere Seite der Filtermatte herüber gearbeitet hatten. Wie sie das gemacht haben, ist für uns bis heute ein Rätsel, da es eigentlich kein Schlupfloch geben dürfte. Nun war es wohl an der Zeit, die Matte aus dem Becken zu entfernen. Da mittlerweile auf der linken Seite neue Heros-Jungtiere von 1 cm Größe eingezogen waren, durfte das kein Problem darstellen. Die Jungkrebse verteilten sich augenblicklich über das gesamte Becken, und einige nahmen auch sofort Position unter der Filterpatrone ein - na ja, das kannten wir ja schon von Mama.


Mittlerweile sind die Wachstumsunterschiede noch viel größer und betragen weit über 100 %. Das größte Tier dürfte die 5 cm-Grenze schon bequem überschritten haben. Fast täglich sieht man nun auch Exuvien im Becken liegen, die aber sehr schnell von den Jungtieren gefressen werden. Allerdings sieht man die Jungtiere selten, da sie sich meistens unter der Laubdecke verbergen, die wir so langsam der Größe der Jungtiere entsprechend ebenfalls vergrößern. Außerdem sind die Jungtiere ständig am Graben. Unter jedem Stein und jeder Steinplatte finden sich etliche kleine Höhlen, aus denen man öfter Fühler herausschauen sieht. Einige Steine haben wir sicherheitshalber entfernt, da sie nicht genug Auflagefläche hatten und den Jungen auf den Kopf zu fallen drohten.


Verluste durch Kannibalismus konnten wir bisher nicht feststellen, es hat bisher nur ein paar verlorene Scheren gegeben, was aber wohl weniger durch Kämpfereien als vielmehr durch Häutungsprobleme verursacht sein dürfte, da wir in einigen Exuvien abgetrennte Scheren finden konnten.


22.04.2007
Da der Wachstumsunterschied der Jungtiere mit jeder Woche, die vergeht, immer extremer wird, haben wir und heute entschlossen, die größten Jungtiere in das Becken zu den Eltern umzusetzen, um so den kleineren mehr Freiraum und einen besseren Zugang zum Futter zu gewährleisten. Wir wissen zwar noch nicht, ob diese Wachstumsunterschiede irgendwelche Folgen nach sich ziehen können, aber man kann ja nie wissen. Ich meine, diese Wachstumsunterschiede haben auch einen Vorteil: Fische werden oft ziemlich gleichmäßig groß, so dass man irgendwann keinen Platz mehr hat und zusehen muss, dass man sie baldmöglichst los wird. Hier dürfte das dann wohl anders sein und man hat mehr Zeit, die Tiere nach und nach abzugeben.


Zum Start dieser Aktion hatten wir uns entschlossen, erstmal in beiden Becken Wasser zu wechseln, da der Temperaturunterschied etwa 2 Grad betrug und durch die im Jungkrebsbecken anwesenden Heros und die damit höhere Wasserbelastung eine unterschiedliche Wasserqualität vorliegen dürfte. Nach dem Wechsel hatten wir im Alt-Becken 21 Grad und im Jung-Becken 20 Grad.


Als nächstes wurde das Laub aus dem Jung-Becken heraus gesammelt, da die Krebse natürlich alle irgendwo darunter waren. Sofort ging ein wildes Rumgeschwimme los. Auch der Filter musste raus, da unter der Patrone mittlerweile ein Sammelplatz entstanden war. Nun konnten wir die größeren Krebse sehen. Wir stellten 2 Plastikschalen bereit, nahmen einen mittleren Käscher und dann ging es zu Zweit ans Werk. Insgesamt holten wir 5 der größten Jungtiere aus dem Becken. Bei einem dieser Jungtiere waren mehrere Heros mit ins Netz geraten, so dass wir nun vor der Frage standen, wie wir beide Arten wieder trennen. Da die Heros noch zu klein sind, um sie mit der Hand zu greifen, entschloss ich mich, den Krebs in die Hand zu nehmen, verbunden mit der Warnung an ihn, bitte die Scheren still zu halten. In den ersten Sekunden erhöhte sich meine Herzfrequenz deutlich, aber schau, der kleine Krebs tat mir nichts.


Als wir die 5 Tiere in den Schalen hatten, ging es ans Vermessen. Wir ermittelten Größen zwischen 5 cm und 7 cm. Dann war noch Fototermin.


Dann kam uns der wagemutige Gedanke zu versuchen, die Geschlechter zu ermitteln. Wir setzten uns auf den Fußboden, die Schalen zwischen uns, und Bianca musste nun die Tiere in die Hand nehmen und umdrehen. Wir fingen mit dem größten an. Als Bianca ihn in der Hand hielt, näherte ich mich ihm mit einer Lupe und ..... , er schlug so heftig mit dem Schwanz, dass ich einen Tropfen ins rechte Auge bekam und erstmal eine Pause einlegen musste. Dann gelang mir aber ein Blick unter den Bauch des Tieres und ich konnte es eindeutig als Weibchen identifizieren. Zwei weitere Tiere konnte ich jeweils als ein Männchen und ein Weibchen einstufen, bei den beiden letzten bin ich mir noch nicht sicher. Eines Tages wird aber wohl die Blase an der Scherenseite der Männchen erscheinen, so dass diese abenteuerlichen Aktionen nicht mehr notwendig sind.


Da sich eins der Jungtiere sehr weich anfühlte und wir beim Fangen auch eine Exuvie gefunden hatten, entschlossen wir uns, dieses Tier noch nicht zu den Eltern zu setzen. So wanderte also 4 Jungtiere in das Elternbecken.


Nun kam der spannende Moment, was passieren würde, wenn sie im Becken bei den Eltern ankommen. Zwei der Jungtiere steuerten schnurstracks in die Höhle der Eltern. Ohje, unsere Haare stellten sich langsam steil zur Decke auf. Aber nein, es kam nicht zum befürchteten Angriff, sondern die Eltern tolerierten die Jungen problemlos. Nun bleibt abzuwarten, wie es weiter geht.


Eine Erkenntnis bleibt aber mit Sicherheit nach dieser Aktion: die Aussage von Lutz Döring, dass die Wachstumsunterschiede in der Regel nichts mit dem Geschlecht zu tun haben, trifft auch auf diese Krebsart zu.



4 Jungtiere in einer Plastikschale Die Jungtiere in Großaufnahme



Das größte als Weibchen identifizierte Jungtier mit einer Größe von 7cm. Die 4 Jungtiere, die ins Elternbecken sollen.



Nochmal die 4 mit Biancas Finger zum Größenvergleich. Hier setzt Bianca die Jungtiere ins Elternbecken.



Das Ganze nochmal aus der Nähe. Sofort werden die Verstecke aufgesucht.

15.05.2007


Ich muss zugeben, dass ich zur Zeit etwas ratlos bin.



Das Weibchen hat vor ungefähr 2 Wochen eine Veränderung in ihrem Verhalten erkennen lassen. Ab und zu hat sie das Männchen aus der Höhle vertrieben und den hinteren Teil der Höhle weiter ausgegraben. Außerdem hat sie ihr Pleon immer wieder in diesen hinteren Teil der Höhle hinein gesteckt. Ein Blick auf den Kalender verriet mir dann, dass die 9 Wochen Brutzeit verstrichen waren. Leider war es mir aber nicht möglich, einen Blick unter den Schwanz zu werfen, weil das Weibchen nicht wie bei der ersten Brut aus der Höhle raus kam. Erst einige Tage später konnte ich sehen, dass keine Jungtiere mehr an ihren Schwimmbeinen hingen. Leider konnte ich aber auch keine Jungtiere im Becken finden. Ich zweifelte daran, dass sie überhaupt gebrütet hatte, aber Sascha meinte, er habe einmal eindeutig Jungtiere unter dem Pleon hängen sehen. Was nun ?


Wenn ich so an die erste Brut zurückdenke, dann hatte das Weibchen auch damals vor dem Entlassen der Jungen eine Höhle gegraben, die es bis dahin nicht gab, und zwar unter der Filtermatte. Auch damals waren die Jungen in den ersten Wochen nicht zu sehen, lediglich das eine Jungtier, dass sich direkt an der Frontscheibe unter der Matte niedergelassen hatte. Ich möchte mich an dieser Stelle zu der Theorie hinreißen lassen, dass das Weibchen diese Höhle damals extra für die Jungtiere ausgehoben hat. Wenn diese Theorie so richtig sein sollte und dieses Höhle graben ein typisches Verhalten darstellen sollte, dann könnte es sein, dass es auch dieses Mal so war und sich die Jungtiere nun im hinteren, für mich nicht einsehbaren Teil der Höhle aufhalten. Ich hoffe, dass hier nicht nur der Wunsch der Vater des Gedanken ist, da ich vor 2 Tagen beim Blick in die Höhle den Eindruck hatte, als sei etwas Kleines aus dem Lichtkegel der Taschenlampe weggehuscht. Ich kann auf jeden Fall sehen, dass das Weibchen ständig diesen hinteren Teil der Höhle mit ihrem Körper zu decken scheint und auch das Männchen wieder in der Höhle geduldet wird. Ob dies nun eine Art Brutpflegeverhalten darstellt, wird in weiteren Beobachtungen zu klären sein.


Die 4 vor einiger Zeit in das Elternbecken überführten Jungtiere haben sich sehr gut eingelebt. Jedes Tier hat sich eine eigene Höhle gesucht und sie werden von den Eltern kaum beachtet, selbst wenn sie ihnen sehr dicht "auf die Pelle rücken". Nun warte ich darauf, dass das größte Jungtier, das ich ja als Weibchen identifiziert hatte und das nach einer Häutung nun schon wieder ein Stück größer ist, als bei der Umsetzung, irgendwann Laich trägt, um eine ungefähre Aussagen darüber machen zu können, wann bei dieser Art mit der Geschlechtsreife zu rechnen ist.


In der letzten Woche haben wir uns dann auch dafür entschieden, die noch im Becken im Zuchtkeller verbliebenen ca. 20 Jungtiere zu sortieren und die 10 kleinsten, die erst eine Größe von 3 - 4 cm haben, in ein 25-Liter-Becken zu setzen, wo wir sie gezielt und ohne Nahrungskonkurrenz füttern können. Fototermin war bei dieser Gelegenheit auch gleich.



10 Jungtiere in der Schüssel Großaufnahme


26.05.2007
Am letzten Wochenende sind die ersten beiden Jungtiere, die wir mit einer neu erworbenen beleuchteten Lupe leicht als Pärchen identifizieren konnten, nach Kassel gegangen.


Das junge Männchen, im Moment leider nur mit einer Schere, in seiner Transport-Box.




Das junge Weibchen.


Bei dem Elternpärchen wird meine Verwirrung immer größer. Trotz täglicher mehrfacher Suche kann ich, so sehr ich mich auch anstrenge, keine Jungtiere finden. So langsam kommt mir der Verdacht, dass das Weibchen gar nicht gebrütet hat, zumal das Verhalten der Elterntiere auch nicht mit dem bei der ersten Brut beobachteten Verhalten vergleichbar war.


Vor 3 Tagen nun sind die Elterntiere aus ihrer bisherigen Wohnhöhle ausgezogen und gemeinsam in einen Blumentopf eingezogen, wo sie dicht aneinander gedrängt saßen. Als ich heute Morgen wieder nach dem Rechten sah, saß das Männchen nur noch allein in diesem Topf. Das Weibchen hat sich im zweiten Topf eine Grube gegraben und liegt dort drin mit völlig eingeklapptem Abdomen auf der Seite. Dieses Verhalten entspricht nun wieder dem, das ich beim ersten Ablaichen und der ersten Brut beobachtet habe. Ich denke, dass es dieses Mal wohl zu einer erneuten Brut kommen wird. Ob in der großen Höhle vielleicht doch noch Jungtiere auftauchen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.


Die vor einiger Zeit in das Becken der Eltern umgesetzten Jungtiere haben sich jeder eine Höhle gesucht, in der sie nun den ganzen Tag verbringen. Das größte Jungtier, ein Weibchen, hat sich bereits völlig in einer Höhle "eingemauert".



Das alte Weibchen, auf der Seite liegend und das alte Männchen in ihrem Blumentopf.



Die "zugemauerte" Höhle des jungen Weibchens


02.07.2007
Die letzten Wochen verliefen recht ruhig. Jungtiere konnten wir leider trotz intensiver Suche nicht finden, also lasse ich mich mal zu der Aussage hinreißen, dass dieser Versuch wohl missglückt ist. Allerdings konnte ich bei dem alten Weibchen einige Tage nach meiner letzten Fortsetzung einen Blick "unter das Röckchen" werfen, und siehe da, da klebte wieder eine ganze Menge Eier. Also - nächster Versuch. Einige Tage lang konnte sich das Weibchen nicht entscheiden, wo sie denn nun wohnen wollte. Sie ist immer mal wieder durch die Gegend gezogen und hat verschiedene Höhlen ausprobiert. Letztendlich ist sie dann aber wieder in ihre alte Höhle zurück gezogen und wohnt dort nun wieder seit einigen Wochen mit dem Männchen zusammen. Das Männchen ist auch hin und wieder mal zu sehen, das Weibchen hält sich aber ständig in der Höhle versteckt.


Das junge Weibchen hat sich heute wieder einmal gehäutet. Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Größensprung die Tiere bei einer Häutung hinlegen. Sie lebt zwar ebenfalls sehr versteckt, immer noch in der oben gezeigten Höhle, aber da im Moment etwas weniger Laub im Becken ist, konnte ich sehen, dass es wohl nur noch einer Häutung bedarf, bis sie die Größe ihrer Mutter erreicht hat. Noch erstaunlicher finde ich, dass es immer noch einige Tiere aus dieser Brut gibt, die trotz Separierung und guter Fütterung grad mal die 4 cm erreicht haben. Leider musste ich heute auch feststellen, dass eins dieser Jungtiere gestorben ist. Da der Rückenpanzer aufgeplatzt war, vermute ich, dass es Häutungsprobleme gab. Wenn man aber bedenkt, dass es erst das zweite tote Jungtier in 6 Monaten bei einer Gesamtzahl von ca. 25 Tieren ist, dann ist die Ausfallquote noch recht gering.



Die Exuvie des jungen Weibchens nach der heutigen Häutung.


07.07.2007
Manchmal trifft man doch auf Zeichen und Wunder: als ich heute im Lauf des Tages mal ein bisschen mit der Taschenlampe im Becken der Alttiere rumgeleuchtet habe, einfach um mal zu sehen, wo sich die 4 Jungtiere aufhalten, saß plötzlich ein ca. 2 cm großer Jungkrebs im Lichtkegel. Ich war so überrascht, dass ich fast mit der Stirn gegen die Aquarienscheibe "geklopft" hätte. Und nur wenige Sekunden später konnte ich noch ein zweites ebenso großes Jungtier entdecken. Nun bleibt die Frage, wie viele sind es wirklich, wie viele stecken noch in irgendwelchen Ritzen und Spalten oder im Kies?


14.07.2007
Vor zwei Tagen ist das alte Weibchen wieder einmal aus der gemeinsamen Höhle ausgezogen und in den rechten Blumentopf umgezogen. So wie es aussieht, soll das wohl jetzt von Dauer sein, da sie nun auch angefangen hat, den Eingang wieder mit Laub zu verbarrikadieren. Als sie vor 2 Tagen noch ungeschützt im Topf saß und noch dazu ihr Pleon vollständig aufgeklappt hatte, konnte ich die kleinen Larven hängen sehen. Außerdem konnte ich sie dabei beobachten, wie sie mit ihren hinteren Schreitbeinen in dem Larvenhaufen rumgewühlt hat. Als plötzlich eine Larve runterfiel, habe ich erstmal einen ordentlichen Schreck bekommen, aber das bin ich ja bei dieser Krebsart schon Anfang an gewöhnt. Nach einer kleinen Weile lag die Larve auch nicht mehr auf dem Höhlenboden, also vermute ich, dass sie sie wieder zu den anderen an die Schwimmbeine geklebt hat. Ein Foto ist mir auch gelungen, so dass man die Larven hängen sehen kann. Das Foto ist zwar nicht preisverdächtig, aber wenn man gut hinschaut, dann kann man die Larven erkennen. Außerdem ist mir noch ein Foto von einem der kleinen Jungkrebse, die ich vor einigen Tagen entdeckt habe, gelungen.


Das alte Weibchen zieht Laub in den Höhleneingang und b[i]ei genauem Hinschauen sieht man die Larven unter dem Pleon.



Das junge Weibchen in ihrer Höhle.


Hier sieht man ein 2 cm großes Jungtier in seiner "Felsspalte".



16.08.2007
Ich muss sagen, dass mich das alte Weibchen immer wieder auf's Neue überrascht. Da hatte ich gedacht, dass ich bei meinen Beobachtungen der ersten Brut ihre Verhaltensweisen in ihrer vollen Breite erfasst hatte, aber dem ist wohl doch nicht so gewesen.


Vor etwa 3 Wochen waren die während der ersten Brut beobachteten 9 Wochen Tragzeit um. Das Weibchen war zu diesem Zeitpunkt, wie oben bereits erwähnt, aus der mit dem Männchen geteilten Wohnhöhle ausgezogen und ich war voller Hoffnung, dass nun bald das bekannte "Absetzen" der Jungtiere folgen würde. Aber nein, das Weibchen blieb in der Höhle sitzen, klappte oft ihren Schwanz auf, so dass ich die an den Schwimmbeinen hängenden Jungtiere gut sehen konnte, und wedelte mit ihnen ein wenig hin und her. So ging es Tag für Tag. Jeden Tag schaute ich voller Spannung nach, aber immer wieder das gleiche Bild. So ging es ganze 3 Wochen, ohne dass sich etwas veränderte.


In dieser Zeit haben wir dann auch mal versucht, die zwei kleinen Krebse aus der 2. Brut aus dem Becken zu nehmen und in einem 25-Liter-Becken gesondert aufzuziehen. Wir waren der Meinung, dass das ja wohl nicht so schwer sein könne, denn in einem so kleinen Krebs steckt ja nur ein noch viel kleineres Gehirn, also sollten wir ihm wohl haushoch überlegen sein. Aber weit gefehlt. Einer der kleinen Racker entzog sich derart geschickt unseren Fangversuchen, indem er sich dicht an das Steinholz gedrängt, wo wir mit dem Käscher nicht richtig ran kamen, in die Höhle des alten Männchen zurückzog, dass wir nach einigen Fehlversuchen aufgaben. Mit der bloßen Hand in der Höhle rumzufummeln, in der das alte Männchen saß, war uns dann doch zu riskant. Wer möchte schon gern die gewaltige Schere eines ausgewachsenen "Blue Moon" am Finger haben. Also blieb einer der beiden Kleinen im Becken bei den Eltern und seinen 4 großen Geschwistern.


Vor drei Tagen nun änderte sich die Situation dramatisch. Ich leuchtete wie jeden Tag mit der Taschenlampe in den Blumentopf des Weibchens hinein, da sah ich, dass das Weibchen recht hochbeinig stand und dass auf dem Boden zwischen ihren Beinen mehrere kleine Krebschen rumliefen. Nach einiger Zeit, wenn sie wohl genug hatten, liefen sie wieder zur Mutter und hängten sich wieder zu ihren Geschwistern an die Schwimmbeine der Mutter. Dieses Verhalten ist völlig anders als das während der ersten Brut, wo das Weibchen nach 9 Wochen innerhalb von 2 Tagen alle Jungen abgestoßen hatte. Worin die Ursache für diese Verhaltenänderung liegt, kann ich nur spekulieren. Vielleicht war die erste Brut auch die erste Brut für sie und ihr Pflegeinstinkt war noch nicht voll entwickelt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie bei der ersten Brut allein im Becken war und ihre Jungen nicht bedroht sah.


Auf diesem Foto kann man deutlich die Jungkrebse an der Mutter hängen sehen.


Im roten Kreis sieht man ein Jungtier auf dem Boden herum laufen.


Heute nun konnte ich sehen, dass einige der Jungtiere nicht nur bei der Mutter im Blumentopf, sondern im gesamten Becken verteilt herum liefen. Ein Foto ist mir bisher davon nicht gelungen, denn sie sind meist nur für wenige Augenblicke sichtbar , um dann wieder unter einem Laubblatt oder in irgendeiner Spalte zu verschwinden.


Was ich allerdings gut fotografieren konnte, ist das im Becken verbliebene Jungtier aus der 2. Brut kurz nach der Häutung:



24.08.2007
Mittlerweile haben alle Jungtiere die Mutter verlassen und wuseln überall im Becken herum. Ab und zu kann man das eine oder andere Jungtier sehen und heute ist mir sogar ein Foto davon gelungen:



Unter dem Laubblatt kann man zwei Jungtiere erkennen,
bei denen sich sogar schon ein klein Wenig die blaue Färbung zeigt.


30.10.07
Die vergangenen Wochen sind wie so oft eine Zeit lang ziemlich ereignislos verlaufen, außer dass ich immer wieder eine Reihe von Jungtieren im Becken rumlaufen sehen habe. Auch bei ihnen sind jetzt schon wieder recht große Wachstumsunterschiede festzustellen. Für die erste Brut kann ich sagen, dass die Weibchen sämtlichst schneller gewachsen sind als die Männchen. Das größte junge Weibchen hat mittlerweile die Größe der Muter erreicht, so dass es schon schwer fällt, beide voneinander zu unterscheiden. Sollte sich diese Beobachtung bei weiteren Bruten bestätigen, kann man daraus wohl eine für diese Art allgemeingültige Regel ableiten, in der Art, dass die Weibchen vor wachsen, bis sie von den Männchen überholt werden.


Außerdem wage ich an dieser Stelle schon einmal zu behaupten, dass die Aufzucht der Jungen im Beisein der Eltern möglich zu sein scheint. Diese Frage zu klären war ja eines meiner Beobachtungsziele. Wenn die Jungtiere der 3. Brut eine entsprechende Größe erreicht haben, werde ich sie von den Eltern trennen und eine Zählung durchführen, so dass dann diese Frage eindeutig zu beantworten ist.


Etwas Leben kam dann in den tristen Cherax-Alltag, als sich vor kurzem das alte Männchen zum 2. Mal nach dem Erwerb gehäutet hat. Ich dachte eigentlich, dass es mit dem Wachstum nun so langsam zu Ende gehen müsste, aber denkste, er hat sich noch einmal ein Stück gestreckt und seine Scheren haben eine Größe erreicht, die mich nun endgültig davon abhalten, leichtfertig mit der hand im Becken rumzufummeln. Dadurch habe ich nun auch verstanden, warum diese Art manchmal unter der Bezeichnung "Hummer" im Handel ist.


Hier einige Fotos kurz nach der Häutung:




Außerdem haben wir bei dieser Gelegenheit mal wieder Foto von den Weibchen gemacht. Ob es sich bei dem großen um das alte Weibchen oder das größte Weibchen aus der ersten Brut handelt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.



Der eigentliche Schock ereilte uns aber vor wenigen Tagen. Als wir nichts ahnend in den Keller gingen, schauten wir in das 160er Becken mit den verkaufsbereiten Tieren der ersten Brut und mussten feststellen, dass fast alle Jungtiere entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit wild im Beceken rumrannten. Das einzige Männchen, das sich zur Zeit noch in dem Becken befindet, lief ständig hinter einem etwas größeren Weibchen her. Schnell war die Kamera zur und einige Fotos gemacht, ohne dass wir so schnell die Scheibe säubern konnten, und wenige Augenblicke später erwischten wir das Männchen, wie es das junge Weibchen auf den Rücken drehte und eine Paarung begann.



Das kleinere Männchen (oben) verfolgt das Weibchen und der Paarungsakt




Wir hielten es zuerst natürlich für eine Art Übungspaarung, aber einen Tag später sah ich ein junges Weibchen frei im Becken rumsitzen, nicht so verborgen und verbarrikadiert wie die Mutter, und fröhlich die Schwimmbeine mit Eiern wedeln. Und auch ein weiteres Weibchen sitzt ständig mit eingeklapptem Pleon in der Gegend rum und es sieht so aus, als würde auch sie Eier tragen. So wird das junge Männchen bald Vaterfreuden entgegen sehen, allerdings nicht erleben, denn in 2 Tagen wird dieser zusammen mit einem Weibchen die Reise nach Flensburg zu einem Liebhaber antreten. Die Eier tragenden Weibchen werde ich natürlich behalten und ein anderes wird ihn begleiten, denn aufgrund eines starken Weibchenüberhangs kann ich hierbei aus dem Vollen schöpfen. Ich hoffe nur, dass bei den im Wachstum zurück gebliebenen Tieren, die sich noch in einem kleineren Becken befinden, genügend Männchen sein werden, um die Tiere weiterhin paarweise abgeben zu können.


Dieses Erlebnis hat uns nun wieder eine neue Erkenntnis gebracht: dass diese Art etwa 10 Monate nach dem Enlassen von der Mutter die Geschlechtsreife erreichen kann.


Am 3.10.07 in Duisburg hatte ich übrigens Gelegenheit zu einen Gespräch mit Chris Lukhaup, in dem ich erfuhr, dass die wissenschaftliche Beschreibung dieser Art nun abgeschlossen ist und im November veröffentlicht werden soll. Dann wird diese Krebsart auch einen vollwertigen wissenschaftlichen Namen tragen, en ich dann auch nach der Veröffentlichung der Beschreibung hier verwenden werde. Außerdem hat mir Chris versichert, dass nun geklärt sei, Cherax sp. "Blue Moon" und Cherax sp. "Irian Jaya/Hoa Creek" Standortvarianten der selben Art sind, was ich ja schon seit Längerem vermutet habe.








"Die Franzosen neigen dazu sehr dünne Steaks zu grillieren, die kaum 200g wiegen. Für mich ist das Aufschnitt" - Otto von Bismarck, 1898