Der Mythos "Blue Zaire"

Der Mythos "Blue Zaire"



Eine Übersetzung von Beata und Martin Strehlke aus dem englischen Originaltext, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von: African Diving Ltd .




Cyphotilapia frontosa „Blue Zaire – Moba“ oder „Purple Zaire“ (Gibberosa)



Der Mythos
Niemals zuvor hat eine einzelne Cyphotilapia frontosa-Variante oder eine einzelne Fischart vom Tanganjikasee für so viele Gerüchte, Erwartungen und Wünsche großen Ausmaßes Anlass gegeben wie der echt blaue C.F. vom Kongo. Und noch nie sind so viele falsche Frontosa-Varianten in der Welt als echter „Blue Zaire“ verkauft worden.



Der echte Blue Zaire ist extrem selten im Hobbybereich. Mehr oder weniger blaue Frontosa-Varianten werden im gesamten südlichen Teil des Sees angetroffen, im Kongo, in Tansania und in Sambia. Einige von ihnen werden auf dem Markt als echte Frontosa Blue Zaire vom Kongo angeboten.






Der Typ Cyphotilapia frontosa (gibberosa), der in Westsambia und entlang der Westküste des südlichen Kongos gefunden wird, ähnelt dem Blue Zaire-Frontosa, aber ihm fehlt die starke tiefblaue bis violette Farbe an Flossen, Kopf und Rücken. Auch ist der klare Kontrast zwischen den schwarzen Streifen und dem perlmuttweißen Körper nicht so auffällig bei diesen südlichen Varianten wie beim echten Blue Zaire. Die echte blaue und violette Variante von C.F. fühlt sich wohl in sehr tiefem Wasser vor der steilen Kongolesischen Küste zwischen Mtoto und Lusiba, südlich von Kapampa.




Der echte Blue Zaire ist tatsächlich einer der schönsten und prächtigsten Cichliden, die jemals im Tanganjikasee entdeckt wurden, doch er ist auch am schwierigsten zu finden aufgrund seiner Seltenheit und dem tiefen Lebensraum. Wegen dieser Faktoren ist das Fangen dieses Fisches wirtschaftlich und praktisch fast undurchführbar und daher wird der echte Blue Zaire selten gefangen und exportiert.




Die Untersuchung
Während der letzten paar Jahre ist die Nachfrage nach dem echten Blue Zaire Frontosa enorm. Aquaristen und Händler auf der ganzen Welt erkundigten sich nach der Verfügbarkeit dieses flüchtigen Fisches.




Von Asien bis Amerika, Skandinavien bis Südafrika, Australien, Russland und Barbados – das Interesse nach diesem Fisch ist weltweit und scheint enorm zu sein, weit größer als für jeden anderen Fisch vom Tanganjikasee. Beim Fangen anderer Fische im Kongo hat African Diving eine Untersuchung in den letzten 5 Jahren durchgeführt um die Blue Zaire-Population mit der stärksten Blaufärbung zu finden und gleichzeitig einen Ort, wo es möglich sein würde mehr als nur einige einzelne Exemplare zu fangen. Gegenden von Molira im südlichen Kongo bis Cape Tembwe im Norden wurden besucht.




Unsere Freunde von AFRICA, der französischen Fischgesellschaft, die zuerst den Blue Zaire-Frontosa 1990 entdeckte, informierte uns, dass der Fisch um Moba im Norden bis Kapampa im Süden gefunden wird. Die Gegend zwischen Kapampa bis Mtoto ist daher von besonderem Interesse. 1995 konnten wir bestätigen, dass diese felsige Küste tatsächliche einige der schönsten Frontosa-Varianten im gesamten See beherbergt mit tiefblauer bis violetter Farbe und ausgeprägten Streifen. Auch stellten wir fest, dass die blaue Farbe am Frontosa stärker wird, je weiter nördlich von Kapampa man kommt.




Die Suche
Auf Anfrage vieler unserer Kunden brachen wir mit einem Team von Tauchern im letzten Jahr zum Kongo auf um einige der höchst erwünschten Blue Zaire Frontosa zu fangen. Basierend auf den Ergebnissen der Vorjahresuntersuchungen konzentrierten wir uns auf die Gegend nördlich von Kapampa in unserer Suche nach dem wahren Blue Zaire. Gegenden nördlich von Kapampa wurden gründlich untersucht sowie mehrere Orte entlang der Küste nördlich bis Mtoto Village. Wieder stellten wir fest, dass je weiter nördlich von Kapampa wir kamen, desto stärker war die blaue Färbung am Frontosa.




In der Nähe von Moba fanden wir eine sehr schöne C.F. Population mit den intensivsten Farben. Diese wunderschöne Population zeigt eine tiefblaue bis violette Färbung besonders an Flossen, Kopf und Rücken. Die blaue bis violette Farbe ist extrem intensiv bei den größeren männlichen Exemplaren. Jugendliche Exemplare sind auch schön mit starker Färbung und einem brillianten violetten Farbton über dem gesamten Körper – einfach erstaunlich. Diese Cyphotilapia frontosa-Variante, die die tiefen Schichten des Sees durchzieht, ist eine solche Schönheit, ein wahrer König unter den Cichliden.




Das erste Treffen
Tanganjika-See; vor der von Rebellen kontrollierten Küste. Wir sind einige hundert Meter vor der Küste. Es ist früh am Morgen. Die Sonne ist gerade aufgegangen über dem Festland von Tansania im Osten. Der schimmernde See ist wunderschön und ruhig, fast wie ein Spiegel.




Nur einige Stellen zeigen leichte Wellen, die wie Patchwork aussehen. Die Stille und Unbewegheit dieses weiten Sees ist überwältigend. Der Tanganjika-See ist ein Binnenozean. Viele der entfernten Gegenden des Sees sind mehr oder weniger unzugänglich und gehören zu den letzten unberührten Gegenden unserer Erde.




Das Wasser ist tief, mehr als 1000 m nicht weit von hier. Direkt unter uns jedoch, 50 m von der Oberfläche, liegt ein felsiger Hang, der Lebensraum für die wunderschöne Cyphotilapia frontosa-Variante, die wir vor einigen Tagen lokalisiert haben. Wir verlassen die Oberfläche und fangen langsam an Richtung Grund zu sinken. Das zischende Geräusch von der Luft aus unseren Tauchanzügen ist durchdringend. Wir steigen stetig entlang der Ankerleine ab. Die weiße Ankerleine läuft den ganzen Weg nach unten und verschwindet in die dunkle Tiefe unter uns und verschmilzt vollkommen mit ihr. Das Wasser unter uns ist dunkel, diffus und sehr aufregend.




In 30 m Tiefe können wir immer noch nicht den Grund sehen, nur die endlose und diffuse Dunkelheit, die unter uns liegt. Der Blick zur Oberfläche ist genau so diffus, aber dort erscheint ein Lichtschleier. Wir gleichen Ohr- und Maskendruck aus und gehen weiter nach unter. Der Tiefenmesser zeigt 42 m an. Langsam sehen wir die schwachen Umrisse von Felsen und Steinen. Ein Sicherheitsgefühl breitet sich im ganzen Körper aus und die durch das gerade durchquerte dunkle Wasser hervorgerufene Anspannung und Unsicherheit lässt langsam nach.




Der felsige Grund kommt näher und näher und in 48 m Tiefe ist alles klar erkennbar. Eine versteckte Unterwasserlandschaft breitet sich unter uns aus. Felsen und riesige Felsbrocken sind überall. Sie sind alle mit einer Schicht dunkelroter Algen bedeckt. An einigen Stellen zwischen den Steinen, sehen wir kleine offenen Stellen mit feinem weißen Sand. Die Steinlandschaft dehnt sich in alle Richtungen aus, soweit wir sehen können und fällt dann abrupt nach unten in sehr tiefes Wasser. Wieder ein großartiger und gewaltiger Anblick. Wir sind Besucher in einer unbekannten Welt.




Plötzlich erblicken wir die ersten Frontosa, eine kleine Gruppe von 3 – 4 Jungtieren. Sie kommen neugierig aber vorsichtig zu uns, als ob sie uns in ihrer Welt begrüßen wollen. Das Farbmuster der Fische ist klar und sehr schön. Die schwarzen Streifen stechen intensiv gegen den weiß und blau perlmuttfarben schimmernden Körper ab. Ein violetter Glanz erscheint über dem ganzen Fisch und erhöht die Schönheit des Fisches. Die Rückenflosse scheint wie Tansanit im dämmrigen Wasser. Ein großes Männchen kommt langsam zwischen den Felsen an den steilen Hängen hervor. Es scheint neugierig, aber sehr vorsichtig zu sein. Wieder einmal sind wir betroffen von der wundervollen blauen Farbe, die den Fisch schmückt. Dies ist die Welt der blauen Frontosa.




Die Fangversuche
Über einen Zeitraum von 5 Monaten, vom Dezember letzten Jahres bis Ende April, hat das African Diving-Team täglich in sehr tiefem Wasser vor Moba gearbeitet um diesen blauen König zu fangen. Aufgrund des tiefen Lebensraums von 50 m und mehr und des seltenen Vorkommens ist die Arbeit schwer und eine ziemlich mühselige Aufgabe. Die meisten der Exemplare leben in sehr tiefem Wasser, viel tiefer als 50 m und müssen aus der Tiefe mit Ködern gelockt werden. Kleine Seesardinen oder winzige Garnelen werden als Köder benutzt, der im Wasser verteilt wird. Der Geruch zieht die Frontosa an und bringt sie dazu in einen Tiefenbereich hochzukommen, wo es für die Taucher möglich ist sie zu fangen. Die Fische werden einer nach dem anderen in einem vertikalen Netz zusammen mit einem kleinen Handnetz gefangen und dann in einen großen Käfig auf dem Boden gesetzt. Der Käfig bleibt für mehrere Monate auf dem Boden, bis das Fangen beendet ist. Die Fische im Käfig werden täglich mit frischen Sardinen, winzigen Garnelen oder Fischfleisch gefüttert. Bald gewöhnen sich die Frontosa an die Fangroutine und die Fänge gehen jeden Tag zurück, bis nicht ein einziges Exemplar mehr am Tag gefangen wird.




Dann muss das Tauchteam zu einem anderen geeigneten Ort weiterziehen entlang des steilen felsigen Bodens und erneut starten. Wenn das Fangen abgeschlossen ist, wird der Käfig allmählich an die Oberfläche gebracht. Aus 50 m Tiefe dauert das fast eine Woche. Bei der letzten Dekompressionsstufe bei 3 m muss der Käfig zwei Tage bleiben um sicherzustellen, dass die Fische vollkommen dekomprimiert sind, bevor sie aus dem Wasser genommen werden und ins Boot kommen. Die fünf Monate der Fangbemühungen ergaben nur einige hundert Exemplare. Diese werden in den kommenden Monaten an Züchter und Liebhaber in der ganzen Welt verteilt.




Das Tauchteam ist ständig gestört worden als auch durch Truppen von Rebellenkräften drangsaliert worden. Benzin und Vorräte wurden konfisziert und ein GFK-Boot ist beschlagnahmt worden. Das Team ist mit vorgehaltener Waffe gezwungen worden, die Truppen zu verschiedenen Orten am See zu bringen, wo sie hin wollten. Dies hat das Fangen ernsthaft verzögert. Auf die Boje, die wir zum Markieren der Fischgründe ausbrachten, wurde geschossen und Trupps zerstörten sie zweimal. In diesem Teil des Landes geht es politisch sehr instabil zu und die Behörden verlangen, dass Wuchergebühren gezahlt werden an Einwanderungsamt, Schifffahrtsbehörde, Fischereiamt oder irgendwelche Überbleibsel der vergangenen Regierung, die nun die Gegend verwüsten.




Die Beamten erhalten keine Gehälter von der „Regierung“ und müssen ihre Taschen auf Kosten von irgendjemandem füllen, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Visa-Vorschriften können sich von einem Tag zum andern ändern mit ziemlich frustrierenden Konsequenzen. Es gibt neun verschiedene Ämter um alle erforderlichen Bescheinigungen zu bekommen vor Beginn des Fangens. Die Fangarbeit des „Blue Zaire“-Frontosa ist tatsächlich sehr lang und schwierig gewesen. Aber nach 7 Monaten Fangen, Halten und Transportieren sind die Fische endlich sicher in unserer Einrichtung in Dar es Salaam – bereit zum Export.




Der herrliche Fisch
Die besonderen Eigenschaften des echten „Blue Zaire“ sind die tiefe volle blaue bis violette Farbe an Flossen, Kopf und Rücken, der scharfe Kontrast zwischen den schwarzen Streifen und dem weißen perlmuttfarbenen Körper und dem dunklen Dreieck zwischen den Augen und der Stirn. Der erste Streifen erstreckt sich nicht hinunter auf die Wangen, sondern endet abrupt gerade unter dem Auge. Ein glänzender blauer Strich an der Kante der schwarzen Streifen ist oft erkennbar. Ein wahrhaft herrlicher Fisch. Der „Blue Zaire“ wird selten in Tiefen von um die 40 – 50 m gefunden, sondern die Population ist wahrscheinlich dichter in größerer Tiefe von ca. 80 – 100 m. Wegen des tiefen Lebensraumes der Fische und den durch die politische Instabilität im Kongo hervorgerufenen Schwierigkeiten in Verbindung mit dem Fangen werden die Fische sicherlich nie in großen Mengen gefangen werden.




Eine andere gut bekannte Cyphotilapia frontosa-Variante ist der „Blue Mpimbwe“ von der genau gegenüber liegenden Küste in Tansania. Der Unterschied zwischen dieser Variante und dem „Blue Zaire“ ist u. a. die Abstufung der Farbe. Die blaue Farbe beim „Blue Zaire“ ist dunkler und tiefer und neigt fast zum Violett, aber ist meistens auf die Flossen und den Kopf konzentriert, während der Frontosa „Blue Mpimbwe“ kobaltblau ist und eher einen metallischen Farbton hat. Diese Eigenschaft trägt dazu bei, dass der letztere weniger klare Streifen hat. Wenn ein erwachsenes Männchen in voller Färbung ist, verwischen die Streifen und der Fisch bekommt überall eine Blaumetallic-Farbe. Der „Blue Zaire“ andererseits behält die klaren und scharfen Streifen auf dem eminent weißen Körper jederzeit. Dieses klare Farbmuster beim „Blue Zaire“ ist die Eigenschaft, die am besten die beiden blauen Cyphotilapia frontosa-Varianten unterscheidet. Alle Frontosa-Varianten verändern Farbton und Muster je nach Geistesgegenwart/Situation. Der „Blue Zaire“ wird manchmal einen violetten Farbton überall am Körper bekommen. Dies ist besonders auffällig bei jugendlichen und fast erwachsenen Tieren.




Anmut, Schönheit und Herrlichkeit sind Eigenschaften, die den Frontosa „Blue Zaire“ aus den tiefen Wassern des schimmernden Tanganjika-Sees zu einem wahren Vermächtnis für das Aquariumhobby machen. Der Mythos wird mit Sicherheit in den kommenden Jahren weiterleben.




Quelle: African Diving Ltd.
Wir sind überzeugt, dass das für viele Forum-Mitglieder informativ ist. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass die beschriebenen Zustände sich auf das Jahr 2004 beziehen. Die derzeitigen Bedingungen für die Fangteams sind uns nicht bekannt. (Beata und Martin)

"Die Franzosen neigen dazu sehr dünne Steaks zu grillieren, die kaum 200g wiegen. Für mich ist das Aufschnitt" - Otto von Bismarck, 1898